Rallyesport

Der MCD und das Urthema „Rallye“

Seit jeher wollten sich Menschen in Wettkämpfen aller Art messen um letztlich festzustellen, wer der bessere ist. Bereits 8 Jahre, nachdem 1886 das erste Automobil (der Benz Patent Motorwagen Nr. 1) erfunden wurde, wurde das erste Automobilrennen ausgetragen. 21 Automobile fuhren 1894 auf der 121 km lange Strecke von Paris nach Rouen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 17 km/h um die Wette.

Was für ein Zufall: am 14.04.1894 wurde unser Verein gegründet…

Weitere Autorennen zogen schon damals immer mehr Zuschauer an, die unmittelbar an der Strecke entlang die Rennfahrer anfeuerten. Da damals die Sicherheit weder bei den Autos, noch bei den Zuschauern ein Thema war, blieben tödliche Unfälle auf beiden Seiten leider nicht aus. So wurden Autorennen in vielen Ländern verboten.

1903, nach einem erneut tödlichen Unfall von Hr.Renault, entschied sich der Automobilclub von Frankreich zum Bau einer sicheren Rennstrecke. 1906 war das erste Rennen von Le Mans geboren. So entwickelten die Automobilhersteller immer schnellere Fahrzeuge, die auf den festgelegten Kursen bei im Grunde immer gleichen Verhältnissen um Sieg und Ehre fuhren.

Die Fahrzuge hatten nichts Gemeinsames mit einem Serienfahrzeug und man konnte sich mit ihnen nicht mehr identifizieren.

Etwas Neues, bzw. Altes musste wieder her.

Wie wäre es, wenn man mit Serienfahrzeug auf den normalen Straßen mit wechselnden Fahrbahneigenschaften ein Rennen von einem Ort zum andern fahren würde ? Dieser Gedanke wurde in die Tat umgesetzt und so fuhr man 1908 von New York nach Paris ! Nach 169 Tagen und mehr als 21000 km stand der erste Sieger eine Rallye mit 13 Fahrzeugen fest: George Schuster.

Diese Art von Rallye war jedoch organisatorisch kaum zu stemmen. Keine Kontrollmöglichkeit, keine Ersatzteile und keine Tankstellen. Apotheken wurden geradezu ausgeraubt, da diese den so begehrten Alkohol hatten, der als Treibstoff dringend gebraucht wurde.

Das war also der falsche Weg.

Etwas kleiner und kompakter sollte so eine Rallye schon werden. Ein paar Enthusiasten blieben dieser Art von Motorsport bis heute treu. Die Rallye Paris-Dakar ist der Beweis. Andere widmeten sich den „kleineren“ Rallyes. Nach unzähligen Regelementanpassungen wurde über die Jahre aus einer Mischung aus allen möglichen Automobilsportarten (Findigkeitsfahrten, Langstreckenrennen, Rennstreckenrennen, usw.) die Rallye geboren.

Was ist Rallye ?

Die Rennfahrzeuge sind im Grunde Serienfahrzeuge, deren Basisfahrzeug jedermann kaufen kann. Es gibt verschiedene – zur Zeit leider zu viele – Klasseneinteilungen, bei denen die PS-Zahl, der Hubraum, das Gewicht und die Art der Modifikationen am Fahrzug eine Rolle spielen.

Grundsätzlich unterscheidet man bei den Gruppen und Klassen in 3 Kategorien: Nahezu unveränderte Serienautos starten in der Gruppe G. Leicht modifizierte Fahrzuge in der Gruppe N. Stark Modifizierten in der Gruppe A. Es gibt (leider) noch etliche Untergruppen, was einem leicht den Überblick verlieren lässt.

Im Beispiel eines Renault Clio Gruppe N – Rallyeautos möchte ich kurz beschreiben, wie man zu einem Motorsportler werden kann.

  • Man kauft sich einen gebrauchten Renault Clio
  • Zuhause, bzw. in einer Werksatt zerlegt man den Clio nahezu vollständig.
  • In den leeren Innenraum schraubt man nun einen Überrollkäfig, bzw. schweißt eine Zelle ein, die einen bei Unfällen sicher schützt und das Fahrzeug steifer macht.
  • 2 Schalensitze, Hosenträgergurte und eine Gegensprechanlage, damit sich Fahrer und Beifahrer während der Fahrt mit Helm verständigen können, sowie spezielle Rennanzüge, Unterwäsche, Schuhe und Handschuhe.
  • Ein Feuerlöscher, Gurtmesser, Verbandskasten und Warndreieck müssen auch mit.
  • Der Motor und das Getriebe dürfen nur leicht verbessert werden. Dies bedeutet, dass man mit wenig Geld, aber viel Arbeit und Sachverstand lediglich die Toleranzen der einzelnen Bauteile zu seinen Gunsten bearbeiten darf.
  • An den Stoßdämpfern, dem Luftfilter, dem Motorsteuergerät und dem Auspuff darf man alles machen, was der TÜV einem einträgt.
    Ach ja, TÜV: Der Gruppe N Clio muss natürlich für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen werden und somit auch TÜV haben.
    Wilde „basteleien“ und sonstiger Unfug haben an einem Rallyeauto nichts verloren !
  • Nun kauft man sich noch einen Satz der besten und ebenfalls straßenzugelassenen Rennreifen für trockene Bedingungen und einen Satz für Regen, und schon haben wir ein rennfertiges Basisfahrzeug geschaffen, auf dem man das Rallyefahren erlernen kann.

Ach ja, Rallyefahren, wie geht das überhaupt ?

Erklärt am Beispiel der bei uns wohl bekanntesten ADAC-Rallye-Oberland:

  • Man füllt ein Nennungsformular (Name, Fahrzug, usw.) aus, gibt es fristgerecht beim Veranstalter ab und überweist das Startgeld
  • Der Veranstalter schickt einem die Nennbestätigung zu.
    Damit darf man an der Rallye teilnehmen.
  • Am Tag der Veranstaltung fährt man früh morgens mit seinem Rallyeauto und dem Beifahrer zur Papierabnahme. Dort zeigt man seine Nennbestätigung, Führerschein und Fahrzeugschein vor und beantragt eine Tageslizenz (wenn man keine Fahrerlizenz hat)
    Zur Erklärung: Im Grunde darf nicht jeder „dahergelaufene“ Rennen fahren, da er sich und andere gefährden kann. Daher braucht es eine Lizenz, die er sich über Lehrgänge erwerben muss. Die Erteilung einer Tageslizenz kann auch verweigert werden.
  • Dann fährt man zur technischen Abnahme, bei der Sachverständige die Technik und Sicherheitsausstattung des Fahrzeugs, des Fahrers und das Beifahrers überprüfen.
  • Ist alles geschafft, kommt man auf die offizielle Starterliste und kann die bis dahin unbekannte Rennstrecke mit einem Bordbuch besichtigen. Das Bordbuch ist ein „Navigationsgerät in Papierform“ und lotst den Beifahrer (und der den Fahrer) im normalen Straßenverkehr zu den einzelnen abgesperrten Wertungsprüfungen (WP´s).
  • Auf der WP (international nennt man sie Special-Stage und kürzt sie „SS“ ab, was in Deutschland nicht so gut kommt…) fährt man langsam die Rennstrecke ab und sagt dem Beifahrer den Streckenverlauf was er sich auf einen Block notiert. Das wird dann der „Aufschrieb“, bzw. das „Gebetsbuch“, nach dem der Fahrer dann im Wettbewerb fahren muss. Da der Beifahrer im Rennen den Streckenverlauf nicht ausführlich und umfangreich vorlesen kann, hat man sich auf eine Art „Steno-Ansage“ verständigt. Z.B.: „in 200 links 4 lang macht zu cut Achtung Dreck“, was soviel bedeutet wie: In 200 Meter kommt eine lange ca. 45° Linkskurve die enger wird. Man soll die Straße beim durchfahren mit dem kurveninneren Rad verlassen (schneiden) und wissen, dass bereits Schmutz auf der Straße liegen kann, was bei zu hoher Geschwindigkeit gefährlich sein kann.
  • Nach dem Abfahren und einer kurzen Mittagspause startet dann das erste Fahrzeug aus dem Startpark und muss in einer vorgegebenen Zeit am Start der ersten WP sein. Der Starter trägt in die Zeitkarte des Rallyeteams die Startzeit ein und lässt das Team zu genau dieser Zeit in die WP starten.
  • Nach der Zieldurchfahrt (Lichtschranken) der WP hält man an der Durchgangskontrolle (DK) an und lässt sich seine gefahrene Zeit in die Zeitkarte schreiben. Nun muss man mit der nächsten Sollzeit zur nächsten WP fahren. Dieses Prozedere wiederholt sich, bis die letzte WP geschafft ist.
  • Letztlich werden logischer Weise alle Zeiten der einzelnen WP´s addiert und ergeben die Gesamtzeit und demzufolge die Platzierung. Die Platzierungen werden in einem Gesamt-, Gruppen- und Klassenergebnis dargestellt, da es ja ein Unterschied zu den einzelnen Leistungsgruppen geben muss.

So, dies war nun im „Schnelldurchlauf“ und auch nicht bis in´s Detail die Erklärung zu Rallye.

Der MC-Diessen organisiert die ADAC-Rallye-Oberland zusammen mit 6 anderen Motorsportclubs aus der Region.

Die Rallye Oberland entstand aus der kleinen nationalen„Spitzbub-Rallye“, wurde dann die internationale ADAC Rallye Oberland, dann eine Veranstaltung zur Deutschen Rallye-Meisterschaft und auf Grund immer umfangreicherer Auflagen nun wieder eine kleine nationale Veranstaltung.

Lust auf mehr ?

Einfach mal zu einem Clubabend des MCD kommen, dann kann man in völlig ungezwungener Runde mit „alten Hasen“, aber auch aktuellen Rallyefahrern nette Gespräche führen und unglaubliche Geschichten erfahren…